Wenn in Deutschland von experimenteller Archäologie und prähistorischer Seefahrt die Rede ist, fällt ein Name besonders häufig auf: Dominique Görlitz. Der in Gotha geborene Forscher, Autor und Dokumentarfilmer hat sich mit seinen sogenannten ABORA-Expeditionen international einen Namen gemacht. Mit nach historischen Vorbildern gebauten Schilfbooten wollte er zeigen, dass bereits vorgeschichtliche Kulturen zu weiträumiger Seefahrt und kulturellem Austausch fähig waren.
Dominique Görlitz steht dabei an der Schnittstelle zwischen akademischer Forschung und öffentlicher Debatte. Seine Projekte wurden von vielen als mutige praktische Experimente gewürdigt, zugleich aber auch kritisch hinterfragt. Dieser Artikel beleuchtet auf Grundlage öffentlich zugänglicher und überprüfbarer Informationen seine wissenschaftliche Arbeit, seine Expeditionen, die Kontroverse um das Cheops-Projekt sowie seine Rolle als Autor und Redner.
Kurzbiografie
| Merkmal | Information |
|---|---|
| Vollständiger Name | Dominique Görlitz |
| Geburtsdatum | 15. Juni 1966 |
| Geburtsort | Gotha, Thüringen |
| Beruf | Experimenteller Archäologe, Autor, Filmemacher |
| Akademischer Grad | Doktor der Biogeographie |
| Hochschule | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg |
| Bekannt durch | ABORA-Expeditionen |
| Zentrales Forschungsthema | Prähistorische Seefahrt und transkultureller Austausch |
| Dokumentarfilme | „Das Cheops Projekt“, „Die ABORA Saga“ |
Wer ist Dominique Görlitz?
Dominique Görlitz ist ein deutscher Forscher, der sich auf experimentelle Archäologie spezialisiert hat. Sein Schwerpunkt liegt auf der Frage, ob bereits in der Vorgeschichte transozeanische Kontakte zwischen verschiedenen Kulturen möglich waren. Anders als rein theoretisch arbeitende Wissenschaftler setzt Görlitz auf praktische Rekonstruktionen: Er lässt historische Bootstypen nachbauen und testet sie unter realen Bedingungen auf offener See.
Besondere Bekanntheit erlangte er durch die ABORA-Expeditionen, bei denen Schilfboote nach altägyptischem Vorbild konstruiert wurden. Diese Fahrten dienten dazu, die Seetüchtigkeit solcher Konstruktionen sowie mögliche Handelsrouten zwischen Europa, Afrika und Amerika zu untersuchen. Neben seiner Forschungstätigkeit ist Görlitz als Autor und Vortragender aktiv.
Akademischer Hintergrund und wissenschaftlicher Ansatz
Dominique Görlitz promovierte im Fach Biogeographie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Sein wissenschaftliches Interesse gilt unter anderem der Verbreitung von Kulturpflanzen. Er untersuchte Hinweise auf mögliche frühzeitliche transatlantische Kontakte anhand botanischer und archäologischer Indizien.
Die experimentelle Archäologie, in der er tätig ist, verfolgt einen praxisorientierten Ansatz. Historische Techniken, Werkzeuge oder Fahrzeuge werden möglichst originalgetreu rekonstruiert, um Hypothesen unter realistischen Bedingungen zu überprüfen. Dieser Ansatz ist in der Archäologie etabliert, wird jedoch unterschiedlich bewertet, wenn es um weitreichende Thesen wie etwa transozeanische Kontakte in der Vorzeit geht.
Die ABORA-Expeditionen: Theorie in der Praxis
Die ABORA-Projekte sind nach dem sagenhaften Reich „Abora“ benannt, das der antike Autor Diodor erwähnte. Ziel dieser Expeditionen war es, die Hochseetauglichkeit prähistorischer Schilfböote nachzuweisen.
Die Boote wurden aus Totora-Schilf gefertigt, einem Material, das auch in Südamerika traditionell für Wasserfahrzeuge verwendet wird. Görlitz argumentierte, dass ähnliche Bauweisen in verschiedenen Weltregionen auf mögliche kulturelle Verbindungen hindeuten könnten.
ABORA III: Der Atlantik als Experimentierfeld
Im Jahr 2007 startete ABORA III von der Ostküste der Vereinigten Staaten aus mit dem Ziel, Europa zu erreichen. Die Expedition sollte zeigen, dass Nordatlantikrouten mithilfe von Meeresströmungen und Passatwinden bereits in vorgeschichtlicher Zeit nutzbar gewesen sein könnten.
Die Fahrt musste vorzeitig beendet werden; dennoch wertete Görlitz sie als wichtigen Praxistest. Die Expedition erhielt internationale mediale Aufmerksamkeit und wurde sowohl als innovatives Experiment als auch als umstrittene Hypothese diskutiert.
ABORA IV: Vom Schwarzen Meer ins Mittelmeer
2019 führte ABORA IV von Varna in Bulgarien durch das Schwarze Meer, den Bosporus und weiter ins Mittelmeer. Ziel war es, frühe Handelsbeziehungen zwischen den Regionen zu veranschaulichen.
Diese Expedition wurde erfolgreicher abgeschlossen als frühere Atlantikversuche. Sie diente als praktischer Beleg dafür, dass komplexe Seewege mit einfach, aber stabil gebauten Schilfbooten bewältigt werden können.
Das Cheops-Projekt und die juristische Kontroverse
2013 sorgte Dominique Görlitz mit dem sogenannten Cheops-Projekt für internationale Schlagzeilen. Gemeinsam mit anderen Beteiligten untersuchte er Strukturen in der Großen Pyramide von Gizeh. Dabei wurden Proben aus einer Kartusche entnommen.
Die ägyptischen Behörden warfen der Gruppe vor, ohne ausreichende Genehmigung gehandelt zu haben. Es kam in Ägypten zu juristischen Auseinandersetzungen und Verurteilungen. Der Vorfall löste eine intensive Debatte über Forschungsfreiheit, Denkmalschutz und internationale Kooperation aus.
Öffentliche Wahrnehmung und wissenschaftliche Kritik
Dominique Görlitz wird in der Öffentlichkeit häufig als „Steinzeit-Segler“ bezeichnet. Unterstützer loben seinen Mut, Hypothesen praktisch zu testen. Kritiker bemängeln, dass die experimentelle Machbarkeit nicht zwangsläufig die historische Realität belegt.
Diese Spannbreite an Reaktionen zeigt, wie sensibel das Thema der prähistorischen Globalisierung ist. Während etablierte Archäologie stark auf materielle Funde und Datierungen setzt, betont Görlitz die Bedeutung interdisziplinärer Ansätze.
Publikationen, Filme und Vorträge
Neben seiner Forschung veröffentlichte Görlitz Bücher und produzierte Dokumentationen wie „Das Cheops-Projekt“ und „Die Abora Saga“. In Vorträgen spricht er über Teamarbeit, Krisenmanagement und die psychologischen Herausforderungen extremer Expeditionen.
Seine Erfahrungen auf See nutzt er als Beleg für Führungsstärke und kollektive Verantwortung unter schwierigen Bedingungen.
Bedeutung für die experimentelle Archäologie
Unabhängig von der Bewertung seiner Thesen haben die ABORA-Expeditionen zur Sichtbarkeit der experimentellen Archäologie beigetragen. Sie zeigen, dass archäologische Forschung nicht nur aus Grabungen besteht, sondern auch aus praktischer Rekonstruktion und interdisziplinärem Dialog.
Fazit
Dominique Görlitz ist eine prägende Figur der deutschen experimentellen Archäologie. Mit seinen ABORA-Expeditionen, seiner Promotion in Biogeographie und seinen medial begleiteten Projekten hat er eine breite Öffentlichkeit für Fragen der frühen Seefahrt sensibilisiert. Gleichzeitig bleibt seine Arbeit Gegenstand kontroverser Diskussionen.
Sein Wirken zeigt, wie eng Abenteuer, Wissenschaft und gesellschaftliche Debatte miteinander verwoben sein können. Ob als Forscher, Filmemacher oder Redner – Dominique Görlitz hat eine unverwechselbare Position im Spannungsfeld zwischen akademischer Forschung und öffentlicher Neugier eingenommen.
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(Häufig gestellte Fragen)
1. Wann wurde Dominique Görlitz geboren?
Am 15. Juni 1966.
2. Was sind die ABORA-Expeditionen?
Experimentelle Seefahrtsprojekte mit Schilfbooten zur Untersuchung prähistorischer Handelsrouten.
3. Was war ABORA III?
Eine Atlantik-Expedition im Jahr 2007.
4. Was untersuchte ABORA IV?
Mögliche frühe Handelskontakte zwischen dem Schwarzen Meer und dem Mittelmeer.
5. Wo promovierte Dominique Görlitz?
An der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.
6. Worum ging es beim Cheops-Projekt?
Über Untersuchungen in der Großen Pyramide von Gizeh und daraus resultierende Kontroversen.
7. Ist Dominique Görlitz auch Autor?
Ja, er veröffentlichte mehrere Bücher und Dokumentationen.
8. Warum ist seine Arbeit umstritten?
Weil seine Thesen zu prähistorischen transozeanischen Kontakten wissenschaftlich unterschiedlich bewertet werden.

